Neue Methoden des Strandschutzes: Nachtsichtdrohnen, Artenschutzhunde

Hintergrund

Konservative Strandpatrouillen während der Nistzeiten der Schildkröten sind das erste Mittel zum direkten Schutz von Meeresschildkröten, die von Wilderei bedroht sind. Diese Methode ist jedoch mit hohen personellen, finanziellen und logistischen Kosten verbunden, insbesondere wenn eine dichte Überwachung erforderlich ist. Außerdem würde eine Reduzierung der Überwachungsbemühungen, wenn sie nicht durch begleitende Maßnahmen unterstützt wird, unweigerlich zu einem Wiederaufleben der Wilderei führen, was besonders dann eine große Gefahr darstellt, wenn die Maßnahmen von NGOs und nicht von Regierungsbehörden finanziert und durchgeführt werden. Es besteht daher ein Bedarf an alternativen, aber ähnlich wirksamen Maßnahmen, die kostengünstiger sind, dazu beitragen können, den Aufwand für konventionelle Strandpatrouillen in Zukunft deutlich zu reduzieren, und die mit größerer Wahrscheinlichkeit von den lokalen Regierungen übernommen werden. Zusammen mit den lokalen Naturschutzbehörden und der Polizei hat FT/TF eine Überwachungs-Task Force zum Schutz von Meeresschildkröten mit alternativen Techniken geschaffen. Dabei handelt es sich um eine neue Strategie gegen Wilderei, die darauf abzielt, die bisher auf Prävention ausgerichtete Methode, Wilderer allein durch die Anwesenheit von Patrouillen von den Stränden fernzuhalten, zu überwinden und durch einen dreistufigen Ansatz der Aufdeckung, Intervention und Verfolgung von Wildereiaktivitäten zu ersetzen. Die Überwachungs-Task-Force soll ausdrücklich nicht nur die Strände schützen, die konventionell von der FT/TF patrouilliert werden, sondern alle Strände von Boa Vista, die einem hohen Risiko von Wilderei ausgesetzt sind, insbesondere die Strände im Norden und Osten der Insel.

Nachtsicht-Drohnen

Das Drohnen-Projektteam begann seine Tätigkeit im August 2018 bis zum Ende der Saison und setzte sie in der Nistsaison 2019 fort. Es wurden eine professionelle Drohne (DJI Inspire 1 V2.0), eine thermische Nachtsichtkamera (Zenmuse XT 640) und unterstützende Ausrüstung angeschafft. Die Einsätze konzentrierten sich auf etwa 30 km risikoreiche Strände im Osten und Norden von Boavista. Pro Nistsaison wurden etwa 70 Nachteinsätze und etwa 400 Einzelflüge von Drohnen durchgeführt. Anfänglich wurde etwa die Hälfte der Einsätze von Polizisten begleitet, die bereit waren, einzugreifen und die Täter festzunehmen, falls Wildereiaktivitäten entdeckt würden. Im Jahr 2019 kam jedoch eine Strategie hinzu, die spezielle Ranger-Patrouillen vor Ort während der Drohneneinsätze vorsah, die über Funk mit den Drohnen-Operatoren verbunden waren. Während bei Drohneneinsätzen keine Wilderer angetroffen oder festgenommen wurden, sank die Zahl der registrierten Wildereivorfälle von 235 noch im Jahr 2017 auf 70 im Jahr 2018 und weiter auf 19 im Jahr 2019. Wir führen dies auf die kombinierte Wirkung des neuen Gesetzes, das den lokalen Schutzstatus von Meeresschildkröten erhöht, und auf die öffentlich bekannte, aber unvorhersehbare Präsenz des Drohnenteams an den Stränden in Begleitung der örtlichen Polizei zurück. Die großen Bemühungen um Aufklärungs-, Bildungs- und Entwicklungsprogramme in den Gemeinden und die zunehmende Beteiligung der lokalen Fahrer an den Schildkrötenbeobachtungsinitiativen könnten ebenfalls dazu beigetragen haben. Ende 2018 wurde eine kurze Mitteilung über das Drohnenprojekt veröffentlicht (Reischig et al., African Sea Turtle Newsletter 2018 10: 9-13; Download)

Artenschutzhunde

Das Artenschutzhundeprojekt begann im Herbst 2017 mit dem Kauf von zwei Labrador-Welpen, einem Geschwisterpaar aus einer Arbeitslinie dieser Rasse. Die beiden Hunde – ein Rüde und eine Hündin – tauften wir in Anlehnung an die lateinischen Namen der beiden hauptsächlich auf den Kapverden vorkommenden Schildkrötenarten „Karetta“ (Caretta caretta, die Unechte Karettschildkröte) und „Kelo“ (Chelonia mydas, die Grüne Meeresschildkröte). Die Labrador-Geschwister erhielten dann von der renommierten Hundetrainerin Marlene Zähner in der Schweiz ihre Grundausbildung. Im Jahr 2018 nahmen zwei unserer kapverdischen Ranger ebenfalls in der Schweiz an einem Hundeführer-Training teil, und im Juni 2019 kamen Karetta und Kelo nach Boa Vista. Hunde und Hundeführer begannen ihren Dienst und wurden zunächst für das Aufspüren von Schildkrötenkadavern an den Stränden trainiert, was später für das Aufspüren von Schildkrötenfleisch, z.B. auf Flughäfen, in Häfen und auf Booten, ausgebaut werden soll. Zudem erkannten wir, dass Wilderer oft Gegenstände wie Stoffreste und Seile am Tatort zurücklassen, an denen ihr Geruch haftet, und mit denen die Hunde ihre Fährte aufnehmen und verfolgen könnten. Daher hatten wir uns für das Jahr 2020 vorgenommen, diesen Einsatzbereich, das sogenannte Mantrailing, ebenfalls zu trainieren. Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Reisebeschränkungen war dies leider nicht möglich. Unterdessen wurden die Hunde für das flächendeckende Auffinden von Schildkrötenkadavern aus der vergangenen Saison an den Stränden und in ihrem Hinterland eingesetzt, um die Wilderei-Hotspots weiter einzugrenzen und bisher unbekannte Wildereiaktivitäten aufzuspüren. Einen weitere Rückschlag erlebten wir, als Karetta bei einem Spaziergang am Strand im Frühjahr 2020 eine komplizierte Verletzung am Hinterlauf erlitt und zur weiteren Behandlung in die Schweiz zurückgebracht werden musste. Leider ist Karetta durch diesen Unfall dauerhaft beeinträchtigt und kann nicht mehr als Arbeitshund eingesetzt werden. Sie lebt jetzt bei Marlene Zähner in der Schweiz. Kürzlich konnten wir auf Boa Vista eine junge Hündin kaufen, die gute Anlagen zeigt, Karettas Nachfolgerin zu werden. Ab 2021 wollen wir mit dem auf Mantrailing spezialisierten deutschen Hundetrainer Marcel Meierhofer das Artenschutzhundeprojekt fortsetzen.

Projektstandort

Übersicht

  • Start des Programms: 2017

  • Art im Fokus: Unechte Karettschildkröte

  • Orte: Boa Vista, Kap Verde

Wir bedanken uns unter anderem bei folgenden Organisationen für die Unterstützung des Projektes:

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